Sendepause. Vielleicht auch Sendeschluss.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schließe ich heute diesen Blog. Ich nehm ihn nicht vom Netz, aber es wird bis auf weiteres keine neuen Artikel mehr geben.

Ich habe diesen Blog gestartet, um meine (Geschenk-)Ideen zu teilen, um DIYs zu dokumentieren und einfach auch um zu testen wie das so ist, wenn man bloggt.

Inzwischen habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass das Bloggen nicht ganz so meins ist. Das Schreiben und Fotografieren und auch das Gestalten der Blogbeiträge machen mir viel Spaß. Selbst die Technik und ich sind Freunde. Mit HTML, CSS und WordPress beschäftige ich mich schließlich auch beruflich.

Aber womit ich so gar nicht warm werde, ist die Öffentlichkeit, die mit dem Bloggen einhergeht und die vielen Verpflichtungen und Arbeitsschritte, die im Hintergrund Zeit fressen.

Das „Werbungs-Problem“

Ist das Empfehlen eines Produktes nicht immer auch gleich Werbung? Müsste ich also „Dauerwerbesendung“ über meinen Blog schreiben? Auch wenn ich das Produkt selbst gekauft habe? Was, wenn ich es beim Hersteller angefragt habe? Ich habe mir so manchen rechtlichen Vortrag zu diesem Thema angehört, weil ich es richtig machen wollte. Weil ich nicht riskieren möchte teure Abmahnkosten zahlen zu müssen , dafür dass ich mein Hobby etwas öffentlicher gemacht habe.

Immer, wenn ich ein Produktbild auf dem Blog abbilden möchte, muss ich vorher den Urheber um Erlaubnis fragen (was ich prinzipiell gut finde, da ich auch nicht möchte, dass meine Bilder einfach überall ungefragt genutzt werden). Aber das kostet Zeit. Alternative: Affliate-Fotos nutzen. Sprich: Fotos, die der Hersteller zu Werbezwecken frei gegeben hat und wofür der Blogger eine kleine Provision bekommt, wenn er sie einbindet. Schon wieder Werbung. Eindeutig kennzeichnungspflichtig.

Dabei kam „Werbung“ in meinen naiven Blog-Plänen gar nicht vor. Ich will mit meinen Blogposts keine Werbung machen, sondern persönliche Empfehlungen aussprechen. Das geht aber nicht. Weil es rechtlich gesehen nämlich Schleichwerbung ist.

 

Ich blogge. Also bin ich dumm.

Manchmal hätte ich gerne unter „Wer schreibt hier“ angegeben, dass ich Abitur gemacht habe, ein M.A. hinter meinen Namen schreiben dürfte, weil ich tatsächlich ein Studium der Literatur- und Medienwissenschaften abgeschlossen habe und sogar bereits die Online-Abteilung eines Verlags geleitet habe. Und ja, es handelte sich um einen größeren, renommierten Verlag. Dort habe ich übrigens auch gelernt wie Online-Marketing funktioniert.
Warum? Weil ich noch nie für so dumm verkauft worden bin, wie als „Bloggerin“. Bei so mancher E-Mail ist mir da echt die Luft weggeblieben. Dass man als Bloggerin pauschal geduzt wird, daran hab ich mich gewöhnt. Ich duze meine Leser auf dem Blog ja auch. Aber viele Anfragen waren und sind einfach nur unverschämt. Ob ich nicht mal Blumen-Abo xy vorstellen wollte auf meinem ach so tollen Blog, ich würde einen (!) Blumenstrauß auch kostenlos zugeschickt bekommen und (jetzt kommt der Knaller!) ich dürfte den Strauß, nachdem ich viele tolle individuelle Fotos davon gemacht hätte, sogar behalten. Oh, danke.

Aber man kann es ja mal versuchen. Kostenlose Werbung wird schließlich gern genommen.

Ich bekomme wöchentlich, phasenweise täglich, E-Mails mit Kooperationsanfragen (die keine Kooperationsanfragen sind, sondern Anfragen nach kostenloser Werbung) und zig E-Mails von PR-Agenturen, die mir ihre Neuigkeiten präsentieren.

Ich bin das Absagenschreiben so leid. Wie formuliert man höflich: „Nein, ich finde Schürzen mit lustigen Sprüchen drauf und gravierte Biergläser überhaupt nicht toll, sie sind eher Anlass und Auslöser für diesen Blog. Ich möchte Geschenkideen abseits des Mainstreams präsentieren und deine Produkte gibt’s auf jedem Geschenkeportal und in jedem Geschenk-Shop und ich möchte niemals nicht so etwas geschenkt bekommen.“?

Wenn ich keine Absagen schicke, kommt übrigens zunächst eine leicht erzürnte Mail, ob ich denn die erste Mail nicht bekommen hätte. Und dann eine von wegen ich hätte es wohl nicht nötig… Richtig. Ich habe keine Lust mehr auf solche Mails. Selbst das Aussortieren und der Klick auf den Papierkorb sind mir zu lästig geworden.

 

Bloggen – Hobby oder Business?

Ein Hobby betreibt man aus Leidenschaft, aus Bauch und Herz heraus, weil es sich rundherum richtig anfühlt und einfach Spaß macht.
In der Freizeit, als Ausgleich zum Abeitsalltag.

Wenn man für sein Hobby dann aber einen Redaktionsplan und eine extra Buchhaltung führen muss, dann bekommt das Hobby einen Anschein von Arbeit. „Ich muss noch an den Computer“ kann bei mir bedeuten, dass ich noch etwas an der Website eines Kunden richten oder aber einen Blogartikel schreiben möchte/muss. Die Grenzen zerfließen. Die Zeit, die ich nicht vor einem Bildschirm verbringe ist verdammt wenig geworden. Das Schreiben der Posts nimmt dabei gar nicht so viel Zeit in Anspruch. Aber wer einen Blog schreibt, der muss auch auf sämtlichen Social Media Hochzeiten tanzen. Muss Plugins updaten, Affliate-Links erstellen, Spamfilter einrichten, Genehmigungen für Bildabdrucke anfragen, Kooperationen verhandeln, Themen recherchieren, SEO betreiben, sich Marketing-Strategien für den Blog überlegen, Messen besuchen, andere Blogs lesen um zu schauen was die anderen so machen, dort kommentieren, in Blogger-Facebook-Gruppen diskutieren, Blogger-Events besuchen, die Kamerablitze reparieren lassen, Visitenkarten drucken lassen, das Mediakit aktualisieren, Kommentare beantworten, Fotos bearbeiten…

Vieles davon habe ich immer gerne gemacht und einiges werde ich schmerzlich vermissen. Echt. Aber in Summe raubt es mir zu viel Zeit.
Um aus dem Blog ein echtes Business zu machen, müsste ich meinen Job, meine Selbstständigkeit mit dem Büro für digitale Kommunikation aufgeben. Aber das will ich nicht und das kann ich mir auch nicht leisten. Mit der Erstellung von Websites und dem Konzipieren von digitalen Kommunikationsstrategien lässt sich der Lebensunterhalt deutlich einfacher verdienen als mit einem Blumenstrauß pro Blogpost inkl. Foto-Shooting.

Ich möchte wieder eine klarere Aufteilung von Hobby und Beruf. Weniger Display vor der Nase. Ganz nach dem Motto „Offline is the new luxury.“ Diesen Luxus möchte ich mir wieder häufiger gönnen. Ohne ständig den Druck zu verspüren, ich müsste jetzt aber bald mal was über Geschenke zu Ostern schreiben, wo es doch bei uns eh nur bunte Eier und Schokolade gibt.

 

Ich hadere inzwischen nicht mehr mit dieser Entscheidung, weil sie sich so richtig anfühlt. Ich bereue es auch nicht, diesen Blog ins Leben gerufen zu haben. Weil es Spaß gemacht hat, weil ich die Vorteile des Blogger-Lebens genießen durfte und einen wertvollen Einblick in die „Bloggerwelt“ gewonnen habe.

Ich verdanke der Bloggerei ganz viele tolle Kontakte. Ich habe wunderbare Menschen kennen gelernt, die viel Herzblut in das Bloggen stecken und wofür ihnen mein absoluter Respekt gehört. Nicht zuletzt weil ich jetzt weiß, was da alles so hinter steckt und wie viel Arbeit notwendig ist, einen „erfolgreichen“ Blog zu führen.

 

Danke fürs Lesen!

Jetzt doch eher mit einem weinenden Auge…

 

 

10 Kommentare zu “Sendepause. Vielleicht auch Sendeschluss.

  1. Puh, ich bin sprachlos und stolz, dass Du so offen und ehrlich schreibst. Dafür hast Du meinen vollen Respekt! Du hast mich ja manchmal hinter die Kulissen Deines Blogs blicken lassen, aber so klar und deutlich wie Du diesen Artikel geschrieben hast, war es mir dann doch nicht – wie viel Arbeit das Bloggen ist.
    Für mich ist jetzt in jedem Fall klar, dass ich nie einen Blog haben möchte – ich stell mich ja schon an, wenn ich mal einen FB-Post für meinen Laden schreiben soll.
    Ich freu mich schon, wenn Du dann einfach mal mit mir und „Fifi“ eine Runde durch den Wald machst und den Frühling genießt. Habe ich Dir schon gesagt, dass der Barlach schon da ist? Morgen pflücke ich für das Mittagessen. Komm doch mit und ich lad Dich im Anschluss auf Pasta & Pesto ein ;-)
    Schön, dass wir uns über Deinen Blog kennen gelernt haben!

    • Liebe Nadia, tausend Dank für deinen so lieben Kommentar und das verlockende Angebot (was ich leider ausschlagen muss, da ich gleich zwei Kundentermine habe, sorry). Das war jeden Arbeitsschritt wert, dass ich dich und einige liebe Menschen mehr über diesen Blog kennen gelernt haben. Bis ganz bald! Liebe Grüße, Hanna

  2. Welch ein offener und spannender Post!
    Ich habe hier immer gerne – still – mitgelesen und mich gerne inspirieren lassen. Aber diese Entscheidung kann ich gut nachvollziehen! Alles Gute dir!

    • Liebe Katharina, das freut mich! Danke dir! Liebe Grüße, Hanna

  3. Alles sehr gut nachvollziehbar….es war ein toller Blog. Alles Gute, k.

  4. Hallo!
    Ich bin echt gerade überrumpelt.

    Seit Anfang des Jahres habe ich einen DIY Blog und ich weiß, wieviel Arbeit es ist, wenn man sich reinhängt bzw. ich weiß, dass man nie sagen kann „Ach, jetzt bin ich fertig“, weil man eigentlich immer irgendetwas zu tun hat.

    Dein Beitrag hat mich gerade voll zum Nachdenken angeregt… ich bin 15 Jahre alt und gehe deshalb natürlich noch zur Schule. Mir fehlt auch öfters die Zeit udn es stellt sich mir die Frage, ob sich das alles so lohnt. Also mit „sich lohnen“ meine ich natürlich nicht Geld, sondern vielmehr Wertschätzung. In jeden einzelnen Beitrag steckt man viel Mühe und Arbeit und dann bekommt man keinerlei Rückmeldung…
    Auf der anderen Seite macht mir das bloggen unheimlich viel Spaß – ich bin sogar gerade dabei meine Webseite nochmal neu zu designen – und zwar selbst, nicht mit einem vorgefertigten Theme. Das nimmt auch viel Zeit in Anspruch.
    Ich habe mir als Ziel gesetzt, meinen Blog mindestens 1 Jahr zu führen, damit ich am Ende sagen kann, dass ich es wenigstens versucht habe. Am Anfang war ich fest davon überzeugt, dass ich nach diesem Jahr auf jeden Fall weiterblogge – jetzt bin ich verunsichert.

    Liebe Grüße!

    • Liebe Lunaria, tausend Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Solange es dir Spaß macht, solltest du unbedingt weiter bloggen! Ich wollte mit meinem Artikel auf keinen Fall demotivieren! Ich stand nur irgendwann vor der Entscheidung aus meinem Blog ein echtes Business zu machen oder eben mein Haupt-Business weiter auszubauen und da ist die Entscheidung eben gegen den Blog gefallen. Hör einfach auf dein Bauchgefühl und dein Herz. Wer weiß vielleicht entdeckst du ja genau wie ich den Spaß an der Technik und baust demnächst auch Websites und Blogs für andere? Oder du schreibst ein DIY-Buch? Wer weiß, ob es in 20 Jahren überhaupt noch Blogs gibt?
      Alles Liebe für dich, Hanna

  5. Liebe Hanna,
    durch Zufall bin ich auf diese interessante Seite gekommen. Über die Suche „Schmuckstücke aus Kinderbildern“ bei benefind.
    Ihre Entscheidung verstehe ich vollkommen. Lassen Sie das wirkliche Leben nicht an sich vorbei ziehen. Sicher – das Bloggen kann interessant und abwechslungsreich sein und hilft auf jeden Fall anderen, die irgendetwas im www. suchen. Aber so wie Sie das beschrieben haben – gruselig. Wäre auch nicht meins. Ich habe den Luxus nach dem Berufsleben tun und lassen zu können, was ich will (meist jedenfalls). Dies ist im Wesentlichen neben Enkelbespassung (mindestens 1x/Woche) mein Mitbewohner seit 11 Jahren „Bolle“ (Deutscher Boxer) sowie Haus und großer Garten ganz für mich alleine – das Ehrenamt. Da komme ich ganz viel mit „leiblichen“ Menschen zusammen und kann mich austauschen. Und muss nicht nur mit dem Hund reden ;-). Aber ich „erwische“ mich oft, dass ich trotzdem zu lange am PC verbringe. Dabei war ich doch so froh, dass ich das im Ruhestand nicht mehr täglich muss. Wegen Mausarm usw.
    Ich merke – ich schweife ab. Was ich Ihnen sagen möchte: Leben Sie. Richtig. Mit Menschen, die Sie anfassen können. Und wo Sie nicht bei jeder Begegnung das Kleingedruckte beachten müssen…
    Ich wünsche Ihnen alles Gute!!!
    Stephanie

    • Liebe Stephanie,
      haben Sie vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe! Ihnen ebenfalls alles Gute und viel Freude am Leben, mit den Enkeln, dem Hund und in Maßen auch mit dem Internet ;)
      Herzliche Grüße, Hanna

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