Bilderbuch-Tipp: Herr Tiger wird wild

Heute möchte ich euch ein Bilderbuch empfehlen, das in den USA längst ein Bestseller ist. Übrigens zu Recht, wie ich finde. Es ist ein Mutmach-Buch, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht: Manchmal muss man eben ein bisschen wild sein. Das ist ok, wenn nicht sogar lebensnotwendig.
Herr Tiger wird wild

Die Story an sich ist nicht neu, sie erinnert an „Pippi Langstrumpf“ oder „Wo die wilden Kerle wohnen“. Aber, dass ab und an ein bisschen „wild-Sein“ nicht schadet, braucht man Kindern sowieso nicht neu zu erzählen. Das wissen sie längst. Wussten sie schon immer. Mit Herrn Tiger haben sie wieder einen Verbündeten mehr dazu gewonnen. Einen, der sich traut, auch mal wild zu sein. Hinaus in die Wildnis zu ziehen, um danach umso entspannter wieder (bei sich) anzukommen.

Herr Tiger wird wild

Mir gefällt besonders der Illustrationsstil und ich bin überzeugt, dass dieses Buch das Zeug zum Klassiker hat. Weil es ein bisschen wilder ist als andere Bilderbücher (quadratisch, gedeckte Farben, sehr wenig Text, viel Raum für die eigene Auslegung) und dabei doch so sehr es selbst. Das Buch wirkt irgendwie zufrieden, mit sich selbst im Reinen.
Peter Brown: Herr Tiger wird wild

Bild: cbj Verlag

Das Buch erfasst man nicht beim ersten Lesen oder Durchblättern. Ständig entdeckt man eine neue Interpretationsebene, eine neue Kleinigkeit in den Illustrationen. Einfach toll!

Da ich ja mal Literaturwissenschaften studiert habe, interessiert es mich immer besonders, was sich Autor und Illustrator ursprünglich gedacht haben, während sie an dem Buch arbeiteten.

Peter Brown, Autor und IllustratorBei diesem Bilderbuch ist der Illustrator gleichzeitig der Autor: Peter Brown. Und er hat ein sehr interessantes Video gemacht, in dem er Einblicke in seine Arbeitsweise gewährt und erzählt (auf englisch), was er mit/in dem Buch vermitteln möchte:

Meinem Sohn ist es jedoch herzlich egal, was die Macher des Buches aussagen wollen. Er mag den (Herrn) Tiger. Mit Zylinder und ohne. Tiger sind eben manchmal wild. So wie er selbst auch.

Buchtipp "Herr Tiger wird wild"
Schöne Pointe:
Wer allzu wild mit dem Buch umgeht, und ihm den Schutzumschlag raubt, wird belohnt. Oder doch zumindest überrascht. Denn, wie ein Blick ins Bücherregal zeigt, kommt das Buch „nackig“ wirklich wild daher.
Blick ins Bücherregal

Peter Brown: Herr Tiger wird wild
Originaltitel: Mr. Tiger goes wild
Originalverlag: Little Brown, US
Aus dem Amerikanischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
DEUTSCHE ERSTAUSGABE cbj Verlag
Ab 3 Jahren
Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag,
48 Seiten, 25 x 25 cm
Mit farbigen Illustrationen
ISBN: 978-3-570-15908-8

1 Kommentare zu “Bilderbuch-Tipp: Herr Tiger wird wild

  1. Hallo Hanna,

    schön zu lesen, dass es noch mehr Begeisterte „Mr. Tiger“ Leser gibt, große wie kleine. Das mit dem Umschlag ist schon wirklich ein toller Effekt. Es freut mich sehr von einem anderen Erwachsenen solche Sätze zu lesen wie deine: „Das Buch erfasst man nicht beim ersten Lesen oder Durchblättern. Ständig entdeckt man eine neue Interpretationsebene, eine neue Kleinigkeit in den Illustrationen.“ Leider werden Bilderbücher immer noch viel zu oft viel zu vorschnell als Kinderkram abgetan, dabei steckt in genügend Exemplaren so viel mehr Tiefe drin als in den Büchern, die Erwachsene, vor allem ohne Kinder oder wenn die Kinder aus dem Alter raus sind, normalerweisen lesen.

    Mit den Illustrationen ist es ja ebenso. Was für begabte Künstler es da gab und gibt :) Ich liebe u.a Maurice Sendaks Stil. Aber da gibt es noch so furchtbar vieles mehr. Von Peter Brown gibt es übrigens ein weiteres ins Deutsche übersetzte Buch: „Der neugierige Garten“. Wenn Dir der Tiger gefallen hat, dann sind vom Stil her sicher auch die Jon Klassen Bücher etwas für Dich. Für die kalte Jahreszeit mein Geheimtipp: „Extra Garn“. Und auch Dieter Braun ist eine Entdeckung wert!

    Viele Grüße von der Buchhexe,
    Tim

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