Ein Kochbuch für Leute, die mindestens genauso gerne lesen wie kochen (oder schöne Kochbücher sammeln)

Sophie Dahl: Von Saison zu Saison – Kochen nach den Jahreszeiten

Sophie Dahl Von Saison zu Saison
(c) Foto: Edel Germany GmbH

Ich kann Kochbücher ohne Fotos nicht ausstehen.

Wenn ich mir nicht anschauen kann, wie das fertige Gericht aussieht, hat das Buch bei mir sofort verloren. Oft machen ja erst die tollen Bilder Lust darauf, etwas nachzukochen. Deshalb ist dieses Exemplar hart an der Schmerzgrenze, denn einige Rezepte sind tatsächlich unbebildert, einige Fotos folgen erst auf den nächsten Seiten, so dass man etwas hin- und herblättern muss.

Hin- und Herblättern scheint aber das Motto dieses doch ganz tollen Buches, weil es nämlich zum Schmökern einlädt.

Es ist kein Kochbuch, in das man Eselsohren knickt, weil man ein bestimmtes Rezept mal nachkochen möchte, es ist viel mehr fast ein Roman, zumindest sind es kurze Erzählungen, mit denen Sophie Dahl den Leser abwechselnd unterhält,  amüsiert  und mitreißt. Man muss nicht kochen können, um dieses Buch zu mögen, man braucht sich einfach nur in die Autorin zu verlieben. Und das macht einem die Enkelin des weltberühmten Autors Roald Dahl verdammt leicht. Kleine Kost-Leseprobe gefällig?

„Manchmal backe ich einen Kuchen, mit dem man jemanden erschlagen könnte, oder ich vergesse einfach, den Zucker in den Teig zu geben. […] Ich bin einfach nur ein verfressener Mensch, der gerne kocht und dann darüber schreibt, keine gelernte Köchin und auch keine Kochlehrerin.“

Sophie Dahl findet sich selbst so herrlich erfrischend unperfekt,

dass man ihren kleinen Geschichten, Anweisungen und Tipps zu den einzelnen Gerichten unbedingt folgen möchte. Wer hat schon spontan Lust auf „Fenchelfritatta“? Eben.
Aber wer kann diese Einladung ausschlagen? „Stellen Sie sich vor, Sie säßen an der Amalfiküste, wenn Sie diese Frittata essen.“ (S.184)

Sie versteht es absolut, Lust aufs Essen und vielleicht sogar aufs Kochen zu machen,

Erinnerungen an Kindheits-Lieblingsspeisen wach zu rufen und einen plötzlich in Herbststimmung zu versetzen, sodass man jetzt sofort gern einen Teller Linseneintopf auslöffeln möchte.

„Jede Jahreszeit hat ein sicheres Ende, was ich als neurotisch ordnungsliebender Mensch wunderbar finde. Ich finde es beruhigend, zu wissen, dass ich es mir an einem verregneten Herbstabend, wenn Wind und Regen gegen die Fenster peitschen, mit einer Kürbissuppe und einer dicken Scheibe Brot gemütlich machen kann. Dann passt das Essen genau zum Wetter. Andererseits können einen die Erinnerungen an Ceviche und Zitronenkuchen auch durch die dunkelsten Wintertage bringen – bis hin zu jenem Tag, an dem man tatsächlich wieder im Garten essen kann, wenn müde Bienen vorüberfliegen und der Duft von Lavendel in der Luft hängt.“

Was ich persönlich sehr praktisch finde, ist die Aufteilung der Rezepte in Jahreszeiten,

und innerhalb der Jahreszeiten in Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Wer also nach der Lektüre, die dieses Kochbuch tatsächlich bietet, nicht sofort Lust bekommt zum Kochlöffel zu greifen, der wird sich mindestens das Buch in der Küche aufgeschlagen so drapieren, dass es erstens ein schöner Blickfang ist und zweitens kann man dem Fräulein Dahl dann beim nächsten Mal, wenn man einen steinharten Kuchen aus dem Ofen zerrt, verschwörerisch zublinzeln.

Fischstäbchen mit Sauce tartare und Erbsenpüree, S.101

Und hier mein persönliches Lieblingsrezept aus diesem Buch, ein „Pimp-me-up-Kinderessen-für-Erwachsene“. Ich habe dafür auf TK-Fischstäbchen zurück gegriffen, weil Fischstäbchen rechteckig sein müssen laut Definition meines Sohnes. Die Sauce würde er nie im Leben anrühren, für mich gibts Fischstäbchen jetzt nie mehr ohne.

Fischstäbchen mit Sauce tartare

2 Portionen
300g festes Fischfilet aus nachhaltigen Fischfang, z.B. Seelachs (fragen Sie Ihren Fischhändler)
2 EL Olivenöl

Für die Sauce tartare:
4 EL Mayonaise
4 Cornichons, klein geschnitten
1 EL Kapern
1 Handvoll Petersilie, fein gehackt
1 EL frisch geriebener Meerrettich
1 Spritzer Zitronensaft (restliche Zitrone in Spalten schneiden)
Salz und Pfeffer

Für die Erbsen:
150g gefrorene Erbsen
1 EL Crème fraiche
1TL Olivenöl
1 kleine Handvoll frische Minze, gehackt
Salz und Pfeffer

Zuerst die Sauce tartare zubereiten. Dafür in einer kleinen Rührschüssel Mayonnaise, Cornichons, Kapern und Petersilie mischen. Meerrettich zufügen und die Sauce mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.

Für das Erbsenpüree die gefrorenen Erbsen in ein paar Minuten knackig kochen. Durch ein Sieb abgießen, zurück in den Topf geben und mit einem Kartoffelstampfer fein zerkleinern. Crème fraiche, Olivenöl, Minze, Salz und Pfeffer zugeben und verrühren. Abdecken und zur Seite stellen.

Den Fisch in fingerdicke Stücke schneiden. Eine Pfanne mit etwas Öl auswischen und richtig heiß werden lassen. Den Fisch auf jeder Seite 1-2 Minuten scharf anbraten. Mit dem Erbsenpüree, der Sauce tartare und einer Zitronenspalte servieren.

Sauce tartare

Mein persönliches Fazit:

Ich würde dieses Buch eher einer Frau als einem Mann schenken. Aber nicht einer Frau, die ganz genau weiß, dass Sophie Dahl auch ein erfolgreiches Model ist und die sich von diesem Buch versprechen würde, Tipps zu bekommen, wie man möglichst schnell an eine Modelfigur kommt. Sondern einer, die gerne liest und genießt, ab und zu auch selbst kocht, für sich und auch für andere. Einer, die sich an guter Food-Fotografie erfreuen kann und es liebt, über den Wochenmarkt zu schlendern oder seltene Gemüsesorten im Biomarkt aufzustöbern.

Nein, Tomaten ess ich nicht!

Kleine Kinder sollte sie allerdings nicht unbedingt haben, denn dafür gibt es einfach zu viel Petersilie, Kapern, Fenchel, Spinat und Pilze in diesem Buch. Sollten sich doch regelmäßig kleine hungrige Mäuler am Küchentisch der Beschenkten einfinden, dann schenkt einfach das Bilderbuch „Nein! Tomaten ess ich nicht!“ von Lauren Child (Carlsen Verlag) mit dazu, dann müsste es klappen.


Sophie Dahl
„Von Saison zu Saison – Kochen nach den Jahreszeiten“ 
Verlag: Edel Germany
Übersetzung: Miriam Funk
ISBN: 978-3841901255

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